50 Jahre Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung
Die gewaltige Kraft des Feuers zerstört Hab und Gut, Existenzen und im schlimmsten Fall sogar das Leben selbst. Bereits 1884 gründete die Schleswig-Holsteinische Landesbrandkasse – Vorläufer der heutigen Provinzial Nord Brandkasse – eine Brandverhütungsabteilung, aus der 1934 ein wissenschaftlich-technisches Laboratorium hervorging, das für die Brandverhütungsarbeit in Europa richtungsweisend war. Brandverhütung ist als Ziel und Verpflichtung ein Grundgedanke aller öffentlichen Versicherer.
Dieser Gedanke und dieses Labor sind zugleich das Fundament des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS), das vor 50 Jahren in Kiel den Geschäftsbetrieb aufnahm. Was mit kleinen Laborräumen an der Kieler Gartenstraße begann, ist heute im deutschsprachigen Raum eine der renommiertesten Organisationen für die Untersuchung von Bränden und Leitungswasserschäden in und an Gebäuden.
An zehn Standorten zwischen Kiel und München arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter – vorwiegend Naturwissenschaftler und Ingenieure. Das IFS ist ein eingetragener fachlich unabhängiger Verein, dessen Mitglieder die öffentlichen Versicherer sind. Mit dem Institut bündeln sie ihr Engagement für die Schadenprävention und kommen so ihrer traditionellen, satzungsmäßigen Verpflichtung nach. Seit seiner Gründung im Jahr 1976 ist das IFS kontinuierlich und in jeder Hinsicht gewachsen – personell, räumlich und auch fachlich. Kaum zwei Jahre im Betrieb, bekamen die Schadenforscher ein eigenes Brandversuchshaus, aus gutem Grund in unmittelbarer Nachbarschaft der Kieler Feuerwache Ost. Schon am 1. Januar 1980 zog dann das Institut selbst in einen Neubau direkt neben dem Brandversuchshaus an der Preetzer Straße 75 in Kiel-Gaarden.
Bald folgten Außenstellen in München, Düsseldorf und Wiesbaden sowie stetig weitere. Heute gibt es keinen Ort im Bundesgebiet, den das IFS nicht notfalls schnell erreichen kann. Fachlich stand zunächst die Untersuchung von Bränden im Fokus. Auch heute noch steht der Großteil der Untersuchungen im Zusammenhang mit der Feuerversicherung. Schon bald nach der Gründung wurden allerdings auch Leitungswasserschäden untersucht und schließlich Schadstoffbelastungen, die als Folge von Brandund Leitungswasserschäden entstehen.
Im Kern der IFS-Tätigkeit steht die Ursachenermittlung nach einem Schaden. Diese Arbeit wurde immer begleitet von grundsätzlichen Fragestellungen und damit von eigenen Forschungen. Während die Mitarbeiter heute an allen Standorten zum Beispiel elektrotechnische Untersuchungen durchführen, sind am Hauptstandort in Kiel zentrale Labors angesiedelt. Allen voran das Brandversuchshaus, in dem nicht nur umfangreiche Brandversuche durchgeführt werden. Es ist auch Rahmen und Kulisse für die erfolgreichen Schadenverhütungsvideos des IFS und damit ein zentraler Ort für die Öffentlichkeitsarbeit des Institutes, die im Laufe der Jahre mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat. Auch die zentralen Labors aus demFachbereich Leitungswasser befinden sich im Haupthaus in Kiel, zum Beispiel für die elektronenmikroskopischen Bruchflächenuntersuchungen und Materialanalysen.


Aus der Dokumentation der Untersuchungsergebnisse ergaben sich schon seit Beginn der IFS-Arbeit wertvolle Erkenntnisse zu Ursachen und Schadentrends. IFS-Gutachter unterstützen darum zahlreiche Gremien, über die die gewonnenen Erkenntnisse in das technische Regelwerk einfließen. So ist zum Beispiel die Zahl der gewerblichen Saunabrände erheblich zurückgegangen, seit die vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen auf Basis der IFS-Erfahrungen angepasst wurden.
Ein enormer Schadentrend, der sich vor über zehn Jahren als kleine Auffälligkeit in der Datenbank des IFS zeigte, sind Brände durch Lithium-Ionen-Akkus. Mittlerweile ist dieses Brandrisiko weltweit ein Thema, für Fachleute ebenso wie für Unternehmen und die breite Öffentlichkeit. Durch die kontinuierliche Aufklärungsarbeit, die das IFS diesbezüglich seit Jahren vorantreibt, ist das Institut in Deutschland ein zentraler Ansprechpartner für Medien, Wirtschaft und die Fachwelt geworden, wenn es um Akkubrände geht.

Jedes Jahr werden in den IFS-Fachbereichen nach aktuellem Stand insgesamt etwa 6.000 Schäden untersucht. Mit jedem Jahr wächst somit auch die Datenbasis des Institutes. Mittlerweile wird insbesondere die Brandursachenstatistik des Hauses im Brandschutz und in der Wissenschaft ebenso rege genutzt wie von den Medien.
Seit das Institut vor einem halben Jahrhundert die Arbeit aufnahm, ist sowohl die Zahl der Standorte als auch der Mitarbeiter etwa um den Faktor zehn gewachsen. Doch die Größe macht es nicht allein; auch fachlich expandiert das IFS kontinuierlich, zum Beispiel durch eigene Untersuchungsmethoden: So können Brände heute nicht nur vor Ort untersucht werden mit ergänzenden Laboruntersuchungen der Asservate. Brandsimulationen ermöglichen es, alternative Schadenentwicklungen durchzurechnen. Auf diese Weise können auch bei sehr hohem Zerstörungsgrad Ursachen ermittelt werden, und es ist außerdem möglich, die Auswirkungen von Brandschutzmaßnahmen zu bewerten. Bei Bedarf erstellt das IFS mit Hilfe von 3D-Aufnahmen den virtuellen Zwilling eines Schadenobjektes und sichert damit wesentliche Spuren, die bei weiteren Untersuchungen genutzt werden können.
Mit der Plattform Elementa, die Informationen für den Schutz von Immobilien vor Naturgefahren bietet, hat das IFS jüngst sein Präventionsspektrum erweitert. Lesen Sie mehr dazu in Ausgabe 2/2026.


Aus einem kleinen Institut an der Kieler Förde ist in den zurückliegenden 50 Jahren eine wesentliche Organisation für die Schadenverhütung und Schadenforschung im deutschsprachigen Raum geworden. Der Wachstumstrend ist ungebrochen. In Zeiten knapper Ressourcen und vor dem Hintergrund eines wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit ist Schadenprävention ein Thema, das jeden angeht und das weiter an Bedeutung gewinnt.